Hund alleine lassen: so lernt dein Hund das Alleinbleiben

Hunde sind Rudeltiere, Alleinsein liegt ihnen nicht im Blut. Trotzdem müssen sie es lernen, denn zur Arbeit, in die Schule oder zum Einkaufen kannst du deinen Hund nicht mitnehmen. Die gute Nachricht: Die meisten Hunde bleiben ein paar Stunden entspannt allein, wenn du sie langsam daran gewöhnst. Hier erfährst du, wie das geht, wie viele Stunden sinnvoll sind und was du tun kannst, wenn dein Hund jault oder die Wohnung zerlegt.

Warum Alleinsein für Hunde schwer ist

Dein Hund versteht nicht, dass du gleich wiederkommst. Wenn du zum ersten Mal hinter der Tür verschwindest, geht er mit der Unsicherheit auf seine Art um: Er bellt, jault, kratzt an der Tür oder kaut auf Dingen herum, die nach dir riechen. Das ist keine Rache und kein Ungehorsam, sondern Stress, Langeweile oder überschüssige Energie. Deshalb bringt es nichts, ihn nach deiner Rückkehr zu bestrafen. Besser ist es, ihm beizubringen, dass dein Weggehen etwas Normales und Sicheres ist.

Wie lange darf ein Hund allein bleiben?

Das hängt von Alter, Charakter und Gewöhnung ab. Als grobe Orientierung:

  • Welpe unter 4 Monaten: nur sehr kurz, am besten unter einer Stunde. Welpen können sich nicht lange beherrschen und lernen das Alleinsein gerade erst.
  • Junghund unter einem Jahr: schrittweise 2 bis 4 Stunden.
  • Erwachsener Hund: meist 4 bis 6 Stunden. Ein ganzer Arbeitstag von acht Stunden ohne Pause ist für die meisten Hunde zu viel.

Geh vor einer längeren Abwesenheit immer mit deinem Hund raus und plane ein, dass er nach deiner Rückkehr wieder muss.

Training Schritt für Schritt

  1. Fang an, während du zu Hause bist. Bring deinem Hund bei, auf seinem Platz zu entspannen, während du dich in der Wohnung bewegst. Er muss dir nicht überallhin folgen.
  2. Kurz raus. Geh für ein paar Sekunden in ein anderes Zimmer oder vor die Tür und komm zurück, bevor dein Hund zu fiepen beginnt.
  3. Langsam steigern. Aus Sekunden werden Minuten, dann zehn Minuten, eine halbe Stunde und eine Stunde. Wird dein Hund unruhig, geh einen Schritt zurück.
  4. Dauer variieren. Bleib nicht jedes Mal länger weg. Eine kurze Abwesenheit zwischendurch verhindert, dass dein Hund Stress erwartet.
  5. Rituale entwerten. Nimm Schlüssel, Schuhe und Jacke auch dann in die Hand, wenn du gar nicht gehst. So hört dein Hund auf, dein Weggehen vorherzusehen und sich schon vorher aufzuregen.

Bei einem Welpen fängst du am besten gleich in den ersten Tagen an. Mehr Tipps findest du im Artikel der erste Tag mit dem Welpen.

Vor dem Gehen: ein müder Hund ist ein ruhiger Hund

Bevor du gehst, gönn deinem Hund einen ordentlichen Spaziergang, bei dem er schnüffeln und sich lösen kann. Gib ihm danach ein Futterspielzeug oder einen gefüllten Kong, der eine Weile beschäftigt. Kauen und Suchen beruhigen und lenken vom Abschied ab. Wie viel Bewegung dein Hund braucht, liest du im Artikel wie viel Auslauf braucht ein Hund.

Gehen und Kommen ohne Drama

Verzichte auf lange Abschiede und Mitleid, denn damit signalisierst du, dass etwas Wichtiges passiert. Geh einfach ruhig. Wenn du zurückkommst, lass deinen Hund ein paar Minuten zur Ruhe kommen und begrüß ihn erst, wenn er nicht mehr an dir hochspringt. Wartet ein zerkauter Schuh auf dich, schimpf nicht. Dein Hund kann eine Strafe nicht mit etwas verknüpfen, das er vor einer Stunde getan hat.

Ein sicherer Bereich

Gerade beim Welpen solltest du den Bereich begrenzen, in dem er allein ist: Ein Zimmer oder ein Welpenauslauf mit Körbchen, Wasser und Spielzeug ist ideal. Räum Kabel, Schuhe und Essen vom Tisch weg. Leises Radio kann Geräusche aus dem Treppenhaus übertönen.

Trennungsangst erkennen

Jault oder bellt dein Hund die ganze Zeit, in der du weg bist, zerstört er vor allem Türen und Fenster, pinkelt er trotz Gassirunde in die Wohnung oder hechelt und speichelt er stark, kann Trennungsangst dahinterstecken. Am besten findest du es heraus, indem du ihn mit einer Kamera oder dem Handy filmst. Dann reicht normales Training nicht aus und eine Beratung bei einem Tierarzt für Verhaltensmedizin oder einem erfahrenen Hundetrainer lohnt sich. Sie kostet grob 80 bis 150 €. Mehr zum Thema Bellen findest du im Artikel Hund bellt viel: was hilft.

Rassen, denen das Alleinsein schwerer fällt

Arbeitsfreudige, energiegeladene Rassen wie Border Collie, Australian Shepherd oder Siberian Husky bauen Langeweile gern durch Zerstören ab, wenn sie zu wenig zu tun haben. Rassen, die als Begleithunde gezüchtet wurden, etwa der Cavalier King Charles Spaniel oder der Bichon Frisé, vermissen ihre Menschen leicht. Auch der Weiße Schweizer Schäferhund hängt sehr an seiner Familie. Welche Rasse zu deinem Alltag passt, vergleichst du in unserem Hunderassen-Lexikon.

Wenn du Vollzeit arbeitest

Vollzeitjob und Hund lassen sich vereinbaren, aber nur mit Plan. Helfen können eine Mittagsrunde mit Nachbarn oder einem bezahlten Gassigeher (etwa 15 bis 25 € pro Runde), eine Hundetagesstätte (rund 20 bis 35 € pro Tag) oder Homeoffice an einigen Tagen pro Woche. Kommt nichts davon infrage, überleg ehrlich, ob jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Hund ist.

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